Beate Leßmann
Auch wenn die Zeit es manchmal nicht zuzulassen scheint - eine regelmäßige Schreibzeit zahlt sich aus. Die größer werdenden Schüler:innen empfinden die Schreibzeit als Freiraum, um sich dem Eigenen zu widmen. Es kommen neue Themen hinzu, die Gespräche in Autorenrunden verbinden wie in den Jahren zuvor Persönliches mit Fachlichem. Die Klasse agiert als Gemeinschaft von Autor:innen, die sich vertraut geworden sind - und auch die Texte ihrer Mitschüler:innen gut kennen. Spätestens im 4. Schuljahr kann die Autorenrunde neuen Wind gebrauchen. Die Text-Hand bündelt, was bisher als Schreibgeheimnis reflektiert wurde, und weitet den Blick auf weitere Besonderheiten des Textes (wie etwas die Gestaltung der Sätze). Mit diesem Werkzeug und vor allem mit ihren umfangreichen Schreiberfahrungen sind sie gut auf die weiterführenden Schulen vorbereitet. Ihre Texte und die Erfahrungen mit dem Schreiben sind Teil ihres Lebens geworden.
Beispiele aus dem Unterricht
Im 3. Schuljahr ist die Schreibzeit zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Kinder freuen sich darauf, Texte der Mitschüler:innen zu hören. Manchmal bitten sie andere, doch einen Text in der Autorenrunde vorzustellen, da es sich schon herumgesprochen hat, dass hier etwas Lustiges, Spannendes oder Interessantes wartet. Viele Kinder schreiben an "ihren" Themen, bilden einen eigenen Stil aus oder entwickeln Figuren, die in neuen Texten weiterleben. Die anderen können es machmal kaum erwarten, die Fortsetzung eines Textes zu hören. So wird die Schreibzeit zum Nährboden für den Austausch über Eigenes in der Gruppe.
Beispiele aus dem Unterricht
Im 2. Schuljahr ist die Schreibzeit zum verlässlichen Raum geworden. Wie bei einem guten Ritual findet die Schreibzeit immer am selben Tag statt. Jeweils beginnen wir mit einer Autorenrunde, in der ein Kind einen Text vorstellt, über den wir dann gemeinsam sprechen. Der Blick richtet sich immer auf das Gelungene in einem Text, Schreibgeheimnisse werden entdeckt udn Textsorten anhand der eigenen Texte erarbeitet. Die KInder entwickeln so mehr und mehr Textwissen, das in die Autorenrunden einfließt, aber auch in ihre Texte. Manche Formulierungen, aber auch Themen, Figuren oder Orte wandern so durch die Klasse.
Beispiele aus dem Unterricht
Die Schreibzeit beginnt in der ersten Schulwoche, wenn jedes Kind sein eigenes Tagebuch feierlich überreicht bekommt und die Anlauttabelle vorgestellt wird. Gemeinsam schreibe ich mit den Kindern die ersten Wörter. Sobald sich ein Kind zutraut, alleine mit der Lauttabelle zu schreiben, braucht es nicht mehr mit der Gruppe zu schreiben. Irgendwann schreiben alle ohne meine Hilfe - alleine oder zu zweit. Von Anfang zeigen die Kinder sich untereinander, was sie im Tagebuch gearbeitet haben, und begutachten ihre Arbeiten gemeinsam wie auf einem "Marktplatz". Das sind die Anfänge von Autorenrunden, die im Laufe des ersten Schuljahrs zum verlässlichen Einstieg in die Schreibzeit werden. Am Ende des Schuljahrs wird das erste Buch mit eigenen Texten von allen aus der Klasse veröffentlicht. Stolz sind die Kinder auf sich - und ich als Lehrerin genauso.
Beispiele aus dem Unterricht
In den letzten Wochen des 1. Schuljahres laufen die Vorbereitungen für die erste Buchveröffentlichung der Klasse. Jedes Kind sucht dafür den seiner Meinung nach besten Text aus dem eigenen Tagebuch aus. Diese Texte kopiere ich, um in die Kopie die korrekte Schreibweise mit einem bunten Stift zu notieren. Manchmal ist es das erste Mal, dass die Kinder einen Text ordentlich auf einen besonderen Bogen abschreiben. Für eine Veröffentlichung muss der Text nicht nur so ordentlich wie möglich, sondern auch so geschrieben werden, dass andere ihn gut lesen können - also in der "Erwachsenenschrift" und nicht mehr in "Privatschreibung". Damit er möglichst alle anspricht, zeichnen die Kinder zum Text ein passendes Bild.
Im oberen Bereich sehen Sie Texte passend zu einzelnen Interviews, im unteren Bereich die Texte der anderen Kinder.
Texte einzelner Kinder
Texte der anderen Kinder

































