Roter Faden

Der "Rote Faden" steht für das, was einen Text zusammenhält, für die Kohärenz. Mit dieser Metapher wird ein zentrales Schreibgeheimnis umschrieben

Wenn Schüler in Autorenrunden zu einem Text bemerken, dass „alles so gut zusammenpasse", dann ist das eine günstige Gelegenheit, um die Vorstellung des roten Fadens anzubahnen. Ein dicker roter Faden in der Mitte des Kreises versinnbildlicht dabei seine Bedeutung: So wie der Faden einen Anfang und ein Ende hat, so auch jeder Text. Anfang und Ende stehen in einem engen Zusammenhang, die Mitte verbindet die beiden Pole.

Aus den Tagebüchern werden Textanfänge und Textenden herausgesucht und vorgetragen. Daran wird deutlich, wie viel der erste Satz bereits über einen Text verrät und wie wichtig es ist, den Text zu einem passenden Ende zu führen.

Als Hausaufgabe werden aus Lieblingsbüchern erste und letzte Sätze herausgesucht (s. Material unten) und gemeinsam thematisiert (s. Fotos). So entsteht eine Sensibilität für die Formulierung von Textanfang und Textende sowie für die Kohärenz des gesamten Textes. Der rote Faden gehört von nun an zum festen Reflexionsrepertoire der Autorenrunde - als "besonderes Schreibgeheimnis". Später, wenn der Blick sich auf das Texteganze weitet, kann er gemäß der Strukur des Textes oder des Spannungsverlaufs auf dem Boden gelegt werden. Von der Reflexion in der Autorenrunde gelangt das Gespür für den roten Faden - für die Textkohärenz - immer stärker in das Bewusstsein des schreibenden Kindes und wird irgendwann im Rahmen der Planung eines Textes mitbedacht. Die Arbeit mit der Text-Hand führt die Arbeit mit dem Roten Faden fort.

Das Bild des roten Fadens lässt sich auf alle Textsorten beziehen. Beim Nachdenken über erzählende Texte etwa hilft der rote Faden, Basiswissen über das Schreiben guter Geschichten aufzubauen. In einem Minikurs greifen Sie aus den bislang notierten Textsorten alle heraus, die zum Textmuster "Erzählende Texte" passen. Außerdem begutachten und ordnen Sie mit den Lernenden alle Schreibgeheimnisse, die für erzählende Texte typisch sind, die bislang in Autorenrunden genannt wurden. Sie können dann selbst eine eigene Mini-Geschichte vorlesen (Vorlagen: Die große Tatze) und die Kinder anhand dieser Geschichte die Merkmale bzw. Schreibgeheimnisse daran nachvollziehen. Dazu gehört auch die Beachtung des roten Fadens, also das Anlegen von Kohärenz. Danach schreiben die Lernenden selbst eine eigene Mini-Geschichte - im Sinne einer Übung (s. Fotogalerie unten rechts: "Der Stromausfall").

Vorlagen zur Übung und Überprüfung finden Sie im Downloadbereich (unten). Sie finden dort ebenfalls kleine Rückengeschichten ("Spinne Spirelli", "Tim und Tom"), die neben der Entspannung ganz unbemerkt Textmusterwissen in den Köpfen aufbauen. Solche spielerischen Übungen zum Aufbau von Textmusterwissen können von Anfang an eingesetzt werden und zu einem späteren Zeitpunkt als Grundlage eines kleinen Exkurses dienen. Mit dem Rücken-Text "Schlaglöcher" wird auf diese Weise ein informierendes Textmuster angebahnt, das später als Grundlage eines Exkurses zu informierenden Texten dienen kann. Auch hier spielt der rote Faden, etwa bei der Abfolge von Informationen eine Rolle.

Roter Faden, Exkurse und Anregungen zu allen Textsorten einschließlich Überprüfungsverfahren und Vorschlägen für schulinterne Absprachen in folgendem Handbuch:

Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben, Teil I für Klassen 1 und 2
Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben, Teil II A für Klassen 3 bis 6

Anregungen zu einem Mini-Kurs "Erzählende Texte" finden Sie darüber hinaus in der Zeitschrift "Grundschule Deutsch" (59-2018) in meinem Artikel "Freies Schreiben und Textsorten. Beispiel: Erzählende Texte" (S. 24 - 30). Dort wird mit der Mini-Geschichte "Kleiner Hase in großer Gefahr gearbeitet".

Material/Download

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Plakat Erzählende Texte Geschichten
Mini-Geschichte Roter Faden Jan-Theo (2)

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