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Lesetandem

Wer sehr langsam liest, hat Mühe, den Inhalt des Gelesenen zu erfassen. Lesetandems verfolgen das Ziel, die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen. Dafür wird demjenigen, der Unterstützung braucht - dem Sportler -, ein Trainer zur Seite gestellt. Der Trainer coached den Sportler.

Filme: Lesetandem

Die positiven Effekte von Lesetandems auf die Leseflüssigkeit sind gut beforscht (v.a. durch Cornelia Rosebrock, Daniel Nix, Andreas Gold). Die Arbeit in Lesetandems stützt nicht nur die Lesefähigkeiten, sondern auch das Selbstbild der Lesenden und das soziale Miteinander. Hier erfahren die Lernenden in besonderer Weise, dass sich Üben lohnt.

Elementare Lesefähigkeiten ausbilden

Wer weniger als 100 Wörter in einer Minute liest, hat oft Probleme, den Sinn des Gelesenen zu rekonstruieren. Das kann daran liegen, dass die Lesenden noch die ganze Aufmerksamkeit auf das Erkennen und Entschlüsseln von Schriftzeichen und deren Versprachlichung richten. Wer diese elementaren Lesefähigkeiten noch nicht ausgebildet hat, benötigt zunächst einmal kurze Texte, deren Inhalt und Sprache für die Lernenden verständlich ist. Das gemeinsame Üben der häufig vorkommenden Wörter (Eine-Minute-Lesetraining) kann für diese Kinder eine zusätzliche Hilfe oder ein Einstieg in die Arbeit mit Lesetandem sein.

Mit Kindertexten lesen üben

Für das Üben in Lesetandems werden insbesondere Texte von etwa Gleichaltrigen empfohlen. Nicht nur die Themen der Kinder, sondern auch der Wortschatz und die Satzbildung sind den Lesenden dabei oft vertrauter als in Texten von Erwachsenen.

Lesetandems bilden

Damit die gemeinsame Fahrt auf dem Tandem gelingt, sollten die Teams mit Bedacht zusammengestellt werden. Wird die Differenz im Lesen als zu groß empfunden, kann es zu Enttäuschungen auf beiden Seiten kommen. Daher sollten ein etwas schnellerer mit einem etwas langsamer Lesenden trainieren.

So geht es

Trainer und Sportler (immer auch: Trainerin oder Sportlerin) lesen zunächst zusammen, d.h. beide lesen halblaut. Dabei fährt der Trainer mit dem Finger unter dem zu lesenden Text entlang. Er stellt sich dabei auf die Lesegeschwindigkeit des Sportlers ein. Hat der Sportler den Eindruck, dass er den Text alleine weiterlesen kann, gibt er dem Trainer ein zuvor vereinbartes Zeichen (z.B. an den Arm des Trainers tippen). Merkt er nach einer Weile, dass er doch die Unterstützung des mitlesenden Trainers benötigt, gibt er erneut das Zeichen, und sie lesen wieder gemeinsam. Verliest sich der Sportler, wartet der Trainer, ob der Sportler sich selbst verbessert. Ansonsten korrigiert ihn der Trainer und bitte darum, den Satz noch einmal zu lesen, in dem das Wort vorkam. Hat der Trainer den Eindruck, dass der Sportler ein Wort nicht kennt oder versteht, kann er es ihm erklären. Das Lesen des Textes sollte mehrfach wiederholt werden - im besten Fall so lange, bis der Sportler den Text selbstständig lesen kann.

Zeigen Sie Ihrer Klasse als Einstieg in die Arbeit mit Lesetandems einen Filmspot, in dem sie sehen können, wie andere Kinder in Tandems lesen üben.

Textauswahl und Layout

Für Lernende, denen das Lesen große Schwierigkeiten bereitet - also auch im Fall von LRS oder Legasthenie -, bieten sich Texte zu vertrauten Themen mit einem überwiegend bekannten Wortschatz an. Achten Sie auf kurze Sätze und ein Wortmaterial, bei dem Stolpersteine wie z.B. selten vorkommende Buchstabenkombinationen ("Fuchs") oder Konsonantenhäufungen ("Sprungbrett") reduziert auftreten. Sind basale Lesefähigkeiten vorhanden, kann die Komplexität der Texte zunehmen. Die Texte sollten bei einer Schriftgröße von 12 oder 14 nicht länger als eine A4-Seite sein. Das Layout sollte lesefreundlich gestaltet sein (Sinnabschnitte auf eine Zeile, klare Schrifttypen, Flatter- statt Blocksatz, Absätze, Platz zwischen den Zeilen zum Mitlesen mit dem Finger).

Meine Erfahrungen - meine Einschätzung

Es lohnt sich, Lesetandems in das eigene Unterrichtskonzept zu integrieren. Denn wenn jemand erlebt, dass er sich beim Lesen nicht mehr anstrengen muss, sondern ihm die Buchstaben und der Text zufliegen, dann wachsen Stolz, Selbstbewusstsein und vor allem die Freude am Lesen.

Die wöchentliche Lesezeit ist ein guter Ort für den Einsatz von Lesetandems. Es müssen nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig in Tandems lesen. Mit dieser Methode können genau die Lernenden unterstützt werden, die ein Training der Leseflüssigkeit benötigen. Tatsächlich steht dabei die Geschwindigkeit im Vordergrund. Es ist also nicht verwunderlich, wenn einige Sportler den Inhalt des Gelesenen kaum erfassen. Erreichen die Lernenden erst einmal eine höhere Leseflüssigkeit, sollte sich das ändern.

Lesetandems können auch klassenübergreifend eingesetzt und Teil des Schullebens werden. Wenn Lesepatinnen und -paten aus höheren Schuljahren erfahren, dass sie Jüngeren beim Lesen helfen können, stärkt das auch das Selbstbewusstsein der Trainer und lässt ihr Verantwortungsgefühl wachsen. Erwachsenen Lesementoren und -mentorinnen ist das Üben in Lesetandems ebenfalls zu empfehlen.

Lesetandem

Mehr zu Lesetandems erfahren

Vertiefen
  • Literatur von Cornelia Rosebrock, Andreas Gold, Daniel Nix (Lesflüssigkeit fördern, Lautleseverfahren u.a.)
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Fotogalerie Lesetandems

Lesetandem: Sportler und Trainer (3)
Trainer stützt durch Mitlesen den Sportler
Trainer führt den Finger unter dem Text
Lesetandem Signal zum Alleinelesen
Eine-Minute-Lesen im Tandem - Signal zum Alleinelesen
Lesetandem mit der Lehrerin

(Zur Vergrößerung das einzelne Bild anklicken)

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